Die Lego Fan Tour
Lesedauer 10 Minuten
Die Inside Tour ist unter Fans des dänischen Herstellers sicherlich nicht nur wegen ihres Preises von 3.000€ bekannt, sondern auch, weil sie den Zugang zu nicht öffentlichen Orten in Billund ermöglicht. Die kleine Schwester, die Fan Tour ist hingegen weniger bekannt.

Werksführungen kann man bei vielen verschiedenen Unternehmen machen. Für Preise von 20-40 Euro kann man mit dem Bus durch den Hamburger Hafen fahren, sich eine Brauerei angucken oder lernen, die Flugzeuge gebaut werden.
Lego hat Führungen im Angebot, die ein Vielfaches von dem Kosten und trotzdem bewerben sich jedes Jahr zahlreiche Leute auf eine Führung, die knapp über 3.000€ kostet.
Führungen bei Lego
Eine Übersicht über die Touren bei Lego gibt´s hier.
Lego House Brick Tour
Die kleinste Variante ist die Lego House Brick Tour. Für 20.000 DKK (ca. 2.670€) hat man eine spezielle siebeneinhalb stündige Tour im Lego House. Die Tour ist für eine Gruppengröße von 1-6 Personen ausgelegt. 1-4 Personen sind im Preis inbegriffen, die fünfte und sechste Person kosten jeweils 3.500 DKK (ca. 470€) extra.
Neben einer Führung durch das Lego House inklusive Verpflegung steht auch ein einstündiger privater Bauworkshop mit einer:m Legodesigner:in auf dem Plan.
Lego Fan Tour
Als zweites haben wir die Lego Fan Tour. 4.999 DKK (ca. 670€) kostet die Teilnahme pro Person, die Tour geht 8,5 Stunden. Die Einzelheiten sind Inhalt dieses Artikels, ich führe das also an dieser Stelle nicht weiter aus.
Lego Inside Tour
Wie bereits erwähnt ist die Lego Inside Tour das Größte Angebot. 25.000 DKK (ca. 3.350€) zahlt man pro Person für eine dreitägige Veranstaltung. Inbegriffen sind natürlich alle Punkte der Fan Tour, wenn auch sie jeweils länger sind. Natürlich gibt es auch hier ein Bau-Event mit Lego Designer:innen, sowie Übernachtungen im Legoland Hotel. Für Viele sicherlich eines der Highlights ist ein exklusives Set, welches jedes Jahr wechselt und für die Touren auch ein Gruppenbild der jeweiligen Gruppe beinhaltet. Das Set bringt auf dem Zweimarkt auch mal bis zu 3.000€ man kann also sein Ticket durchaus damit wieder reinholen.
Die Fan Tour
Ankommen und Begrüßung
Die Gruppe bestand aus 25 Leuten. Ein Jugendlicher war dabei und ein Renter-Ehepaar, sonst dürfte der Altersschnitt um die 30 gelegen haben. Die anderen Gäste kamen aus Neuseeland, England, Irland, den USA und Kanada, wir waren die einzigen beiden aus Deutschland und natürlich das dänische Team von Lego.

Die Stimmung war den ganzen Tag über sehr gut, wir konnten uns alle gut unterhalten und viele Geschichten austauschen.
The Vault und Memory Line
Der Vault ist einer der Teile, wieso ich diese Führung unbedingt machen wollte. Seitdem ich angefangen habe mich für YouTube-Videos über das Thema Lego zu interessieren und ich die ersten Aufnahmen zum alten Vault im Keller des Lego-Idea-Hauses gesehen habe, war es wie ein Sehnsuchtsort für mich.
Und Plötzlich stand ich dann dort: am Beginn der Memory Lane

Der Vault ist eine Sammlung aller Sets, die im Verkauf bei Lego waren. D.h. GWPs findet man dort beispielsweise nicht. Aber die Sammlung reicht zurück bis in die 1950er Jahre, wo die ersten Sets auf den Markt kamen.
Das Archiv ist auch für Mitarbeitende von Lego nicht zugänglich, gefilmt werden darf dort auch nicht, nur das Fotografieren ist gestattet. Die Sets, die sich in den Regalen befinden, dürfen von allen herausgenommen und betrachtet, aber natürlich nicht geöffnet werden.
Beim Schlendern durch die vielen Regalmeter findet man natürlich einige Sets seiner Kindheit wieder. Originalverpackt und zum Anfassen. Da ich quasi keine Kartons aufhebe (und natürlich in der Kindheit gar nicht daran gedacht habe, welche aufzuheben) fühlt es sich ein wenig so an, als würde man durch einen Spielzeugladen laufen und nach belieben in die Regale greifen.
Natürlich kann man die Sets nicht mitnehmen, aber zumindest diese warten zu Hause ja, sie nochmal raussuchen und wieder aufbauen ist also in jedem Fall drin.
Aber auch viele Sets, die ich (bisher) nicht habe, habe ich so entdeckt und konnte sie mir einmal genauer ansehen. Sets, die es heute gar nicht mehr gibt bspw. Das Legoredo-Fort ist da beispielsweise ein Kandidat aber auch Galidor-Sets, einer der Flops der Unternehmensgeschichte.
Im Vault war die Gruppe geteilt, wir waren also mit gut 13 Personen dort und hatten 40 Minuten Zeit uns ungehindert umzusehen. Angesichts der vielen Regale, hätte man dort aber auch sicherlich ein paar Stunden verbringen können und hätte trotzdem ständig neue Sachen entdeckt.

Die History Exhibition
Während wir im Vault unterwegs waren, war die zweite Hälfte der Gruppe in der History Exhibition, nun tauschten wir.
Die History Exhibition ist eine Ausstellung zu Unternehmensgeschichte. Wer bei Lego arbeitet hat hier Zugang und kann wohl auch Freunde und Familie mal mitnehmen. Sie startet im ehemaligen Wohnhaus des Unternehmensgründers Ole Kirk Christiansen aus den 30er Jahren und zieht sich durch einen Teil der ehemaligen Firmenzentrale bis in den Neubau des Lego Idea Hauses.
Hier hatten wir eine kleine Führung einer der Unternehmenshistorikerinnen, die schon zu beginn ankündigte, dass sie eine sehr verknappte Führung machen müsse, denn auch hier hätten wir nur 40 Minuten Zeit.

Ich gehe hier jetzt weniger auf die Unternehmensgeschichte als auf die Ausstellung ein. Diese beginnt mit der Arbeit als Schreiner, zeigt alte Werkzeuge, die erste Standbohrmaschine und vor allem eine große Auswahl an alten Holzspielsachen, die Lego bis Anfang der 60er herstellte.

Im Wohngebäude befindet sich auch noch das alte Büro.

Nach dem Übergang in das zweite Gebäude beginnt die Ausstellung in einem einheitlichen Design. Geschwungene Wände, mit Fotos und Infotexten, die von hinten beleuchtet sind, in einem sonst eher in schwarz gehaltenem Konzept.
Durch die Wände ergeben sich „Räume“, in denen kleine Inseln untergebracht sind, wo man eine Auswahl von Sets zu kleinen Städten aufgebaut sieht.
Das Design der Ausstellung gefällt mit sehr gut, weil es die Inseln mit den Sets schön in Szene setzt, man Außen aber viele Infos über die Firma selber und die Hintergründe.
Allerdings ist die Ausstellung so groß, dass die gut 30 minütige Führung und die 10 Minuten, in denen wir frei umherlaufen konnten hier nicht wirklich ausreichend waren, um alles zu erfassen.
Gelohnt hat sich der Besuch aber durchaus, alleine, weil die Sets hier aufgebaut und nicht in den Kartons waren.
Als Andenken an den Besuch im Lego Idea Haus bekamen alle eine bedruckte Minifigur.

Essen im Mini Chef Restaurant
Mittagessen gab es im Restaurant im Lego House: Dem Mini Chef Restaurant. Bei Eröffnung war es eines der Highlights. Alle bekommen eine Tüte mit einzelnen Bricks (Set 40296). Dabei steht jeder Brick für ein Teil des Gerichts, das man sich so zusammenstellen kann.

Das Ganze ist danach sehr digital. Die Steine werden am Tisch in einen Scanner gelegt und das Gericht wird in einer Küche zubereitet. Spannend wird es noch einmal, wenn das Essen fertig ist, denn man holt es an einer „Roboter-Station“ ab.

Das Essen ist lecker, frisch und die Portionsgröße ist auch so, dass man davon durchaus Satt wird. Im Rahmen der Fantour hätten wir auch mehrmals Essen bestellen können, Saucen und Getränke waren ebenso inklusive.

Führung durch die Legofabrik in Billund
Im Click Diner sahen wir zunächst einen „Exklusiven“ Film, der wohl erst ganz frisch öffentlich gezeigt wird. Zu sehen war die Produktion bei Lego in den 70er/80er Jahren, teilweise noch ohne Ton. Ein zweiter Film zeigte die deutlich automatisierter Produktion in der heutigen Zeit.
Mit einem Bus ging es dann vom Lego House zur Fabrik am Ortsrand. Der Standort Kornmarken ist der einzige in Billund selber, an dem Teile hergestellt werden. Filmen und Fotografieren in der Fabrik verboten, wie bei vielen Firmen dieser Größenordnung. Es gibt aber Aufnahmen bspw. von einer Pressetour an der Promobricks vor fünf Jahren einmal teilgenommen hat:
Für die Führung müssen Mobiltelefone und Kameras eingeschlossen werden, Jacken und Taschen ebenso. Man bekommt eine gelbe „Lego“-Warnweste an und ein entsprechendes System mit Kopfhörer, damit man dem Guide zuhören kann.
Spritzguss
Zu erst ging es an alten Silos für die Lagerung von Granulat und dem Lager der Spritzgussformen vorbei, bis zu einer (von mehreren) Hallen, in denen zahlreiche Spritzgussmaschine stehen. Jede Maschine stellt gleichzeitig immer nur ein Element her, aber kann mehrere Teile des selben Elements produzieren, je nach Form.

Die fertigen Bricks fallen in Kisten, welche in einer Art Regal stehen. Ist die Kiste voll, dreht sich dieses Regal um 180° und die Kiste fährt nach oben. Dort wird sie von einem AGV (Automated Guided Vehicle) abgeholt und in eine Ecke der Halle gebracht, wo die Kisten an eine Förderbandanlage übergeben werden. Leere Kisten lässt das AGV im Regal zurück.
Kisten-Deckel-Waschanlage
Weiter ging die Tour zur „Kisten-Deckel-Waschanlage“. Dort hebt ein Roboterarm Kistendeckel von Paletten in eine Anlage, und nach erfolgter Reinigung hebt ein zweiter Arm sie dort heraus und legt sie auf Paletten ab. Die Arme können sich auch ein High-Five geben und Winken, ich bin mir nicht ganz sicher, ob es sich hier um einen Gag für die Gruppen handelt, oder das einfach ab und an passiert. (Im Video von Promobricks ist an dieser Stelle übrigens nur ein Roboterarm im Einsatz, hier wurde wohl investiert).
Hochregal
Letzte Station war das Hochregallager, in dem Millionen von Bricks auf den Weitertransport warten. Denn bin Billund werden nur Steine hergestellt, aber nicht verarbeitet. Für Bedruckung und Verpackung werden die Steine dann ins Werk in der Nähe von Prag transportiert.
Ich habe schon Betriebe für Spritzguss besichtigt, das war für mich dann jetzt nur noch bedingt spannend, aber die AGVs, vor allem, weil ich eines davon als Insider Tour Set rebrickt habe, haben mich doch schon sehr fasziniert.
Auch nach dem Besuch der Fabrik gibt es ein kleines Andenken, ein 2×4 Brick mit Bedruckung.
Führung durchs Lego House
Am Tag nach unserer Fan Tour hatte das Lego House geschlossen. Da in der Tour ein Ticket für einen eigenständigen Besuch des Legohouses (übrigens genauso wie Tickets für das Parkhaus für beide Tage) inkludiert ist, waren wir einen Tag vor der Tour bereits im Lego House unterwegs.
Dennoch war eine Führung Teil der Tour. Die erste Etappe der Führung macht Master Model Builder Stewart Harris, der den Großteil der Modelle des Hauses, sowie der exklusiven Lego House Sets verantwortet. Stewart erzählte und bspw. die Geschichte hinter dem Tree of Creativity, welcher zentral im Lego House steht und konnte uns viele Details zeigen.

Einer der Guides, der uns schon den ganzen Tag betreut hatte, übernahm dann und zeigte uns den Rest des Hauses. Hier und da gab es kleine Bauchallenges für die Gruppe, um ein bisschen Aktion in die Führung zu bringen. Während der Führung schloss das Haus aber auch, sodass das Team schon hier und da mit Aufräum- und Reinigungsarbeiten loslegte.
Zurück im Click Dinger gab es dann noch eine Überraschung für alle: Das exklusive Lego House Set 2024 wartete als Abschiedsgeschenk auf den Plätzen.

Wer mochte konnte anschließend noch im Store im Haus einkaufen, welcher zu dieser Zeit bereits für die Öffentlichkeit geschlossen hatte. Außerdem konnten Restbestände alter Bricklink Designer Programm Sets sowie signierte Lego House Sets gekauft werden. Letztere sind ab und an auch mal im normalen Verkauf „versteckt“, wir konnten uns diese aber einfach vom Wagen nehmen.
Fazit
Fangen wir mal mit dem offensichtlichen an: dem Preis
Es muss natürlich jeder selbst entscheiden, ob die Summe gerechtfertigt ist oder nicht bzw. ob es einem das Wert ist. Für mich war es eine ganz bewusste Entscheidung diese Tour zu machen, um die Orte, die ich unbedingt mal sehen wollte zu erleben.
Deswegen kann ich auch guten Gewissens sagen: Für mich hat sich diese Tour gelohnt und ich hatte einen sehr guten Tag.
Das Team hat uns den ganzen Tag wundervoll betreut, war nicht nur freundlich und hilfsbereit, sondern auch sehr kommunikativ und offen. Die enthaltene Verpflegung war gut und ausreichend und das Tourprogramm war eine wirklich runde Sache.
Natürlich hätte ich mehr Zeit im Vault oder der History Exhibition verbringen wollen und weniger Zeit im Lego House, aber ich könnte mich auch für die Inside Tour bewerben, wo ich die Chance hätte dort mehr Zeit zu verbringen oder im Rahmen von Skaerbaek oder so Slots dort buhen.
Als eintägiger Einblick in die Historie von Lego und das Schwelgen in Kindheitserinnerungen hat sich die Tour in jedem Fall sehr gelohnt und ich werde wahrscheinlich noch lange daran zurückdenken.
Mehr zum Thema bei Bricks4City
Natürlich habe ich die Fan Tour auch an anderer Stelle noch einmal Revue passieren lassen, als Podcast-Folge und als Videos.




















